Ein Gedächtnis wie ein Pferd

Okay, in dem Spruch geht es eigentlich um Elefanten. Doch ganz so weit hergeholt ist die Sache mit dem Pferdegedächtnis nicht. Pferde haben nämlich ein ausgezeichnetes Gedächtnis und können selbst nach langen Trennungsphasen den ehemaligen Menschenfreund oder -feind wiedererkennen. Das konnten Wissenschaftler in Studien nachweisen. Da bekommt der sprichwörtliche „Freund fürs Leben“ eine neue Bedeutung. Wenn ihr euch beim Reiten auf das geniale Gedächtnis der Pferde einstellt, könnt ihr viel erreichen.

 

Studien beweisen das gute Pferdegedächtnis

 

Pferde sind klüger als manch einer denkt. Unsere vierbeinigen Freunde können vertraute Menschen am Geruch, dem Klang der Stimme und am Aussehen erkennen. Und das auch nach einer langen Pause. Dazu sind nicht alle Sinnesorgane notwendig. Schon eines reicht aus. Pferde, die den Menschen nicht sehen oder hören können, können den Menschen dennoch gleich am Geruch erkennen.

 

In einer Studie haben der Psychologe Jeffrey Andre von der Universität in Harrisonburg und die Veterinärmedizinerin Jessica Frances Lampe von der schottischen Universität of Edinburgh in einer Studie zwölf Springpferde getestet. Die Pferde waren im Alter zwischen acht und fünfzehn Jahren. Dabei haben die Wissenschaftler festgestellt, dass Pferde ein cross-modales Gedächtnis haben. Die Tiere können verschiedene Sinneseindrücke miteinander kombinieren, fehlende Signale werden durch andere ersetzt. In der Studie reagierten die Tiere sehr irritiert, wenn eine unbekannte Tonbandstimme mit einer bekannten Person kombiniert wurde. Die Fähigkeit, verschiedene Signale der Sinnesorgane miteinander zu verknüpfen, haben neben dem Menschen nicht viele Tiere.

 

Das gute Gedächtnis hat Vorteile und Nachteile

 

Wie will man ein Pferd auch ausbilden, wenn es sich Lektionen nicht merkt? Dein Pferd muss sich erinnern können an das, was du ihm bereits beigebracht hast. Die Gedächtnisleistung von Pferden ist sehr gut. Pferde können das Erlernte selbst nach Monaten noch abrufen und behalten auch komplexe Lösungen über zehn Jahr in Erinnerung. Das klingt natürlich toll, garantiert es dir doch, dass du dein Pferd leicht trainieren kannst und gelernte Lektionen lange abrufbar sind.

 

Die ganze Sache hat natürlich auch einen Haken: Selbst wenn dein Pferd dir einen Fehler verzeihen kann, vergessen wird er ihn nicht. Pferde können sich lange zurück erinnern und entwickeln durch die erlebten Emotionen auch Angst und Stress. Lernen Pferde einen Menschen als bösartig oder unberechenbar kennen, werden sie vor diesem Menschen immer Angst haben. Deshalb ist es wichtig, dass du bei deinem Pferd einen positiven Eindruck hinterlässt. Das betrifft aber nicht nur dich persönlich, sondern auch die Dinge, mit denen du und das Pferd umgehen. Zu enge Trense, harte Sattelunterlagen, drückende Gamaschen oder falsche Hilfszügel können mit der Zeit beim Pferd einen Unmut hinterlassen. Verzichte deshalb lieber darauf und entscheide dich für hochwertiges Sattelzeug.

 

Freunde fürs Leben

 

Pferde haben ein ausgezeichnetes Erinnerungsvermögen. Für die Pferd-Mensch-Beziehung heißt das:

 

  • Pferde erinnern sich auch nach langen Trennungen an Menschen.

  • Gegenüber Menschen, mit denen Pferde positive Erfahrungen hatten, bleiben sie auch zu einem späteren Zeitpunkt loyal.

  • Pferde verstehen Befehle per Sprache besser, als man bisher vermutete.

 

Im Training mit Pferden wurde festgestellt, dass Tiere, die mit Leckerli belohnt wurden, eher Zeichen von Zuneigung und Verbundenheit zum Menschen zeigten. Die Pferde, die ohne positive Verstärkung trainiert wurden, zeigt auch schon mal negatives Verhalten wie Beißen oder Steigen. Nach einer mehrmonatigen Pause wurde das Training im Rahmen der Studie wieder aufgenommen. Pferde, die mit Leckerli trainiert wurden, zeigten selbst nach Monaten sofort wieder die Verbundenheit zur bekannten Person. Das Tolle daran ist, je öfter dein Pferd positive Erfahrungen mit Menschen macht, desto eher akzeptiert es auch fremde Personen.

 

Pferde können Stimme besser wahrnehmen als Hunde

 

Normalerweise reiten wir ein Pferd mit Signalen, die wir über Zügel, Schenkel und Kreuzeinwirkung an das Tier weitergeben. Wissenschaftler haben festgestellt, dass der Erfolg beim Reiten viel größer sein könnte, wenn Reiter mehr mit Stimme arbeiten würden. Versuche ruhig mal, sprachliche Befehle in die Ausbildung deines Pferdes mit einzuarbeiten. Durch die enorme Bandbreite des Gehörs, können Pferde die menschliche Stimme sogar besser wahrnehmen als Hunde.

 

Pferd ist nicht gleich Pferd

 

Logisch. Allerdings haben sich Pferde über die Zeit stark entwickelt. Verhaltensforscher haben die Entwicklung der Säugetiere in den vergangenen Jahrmillionen analysiert. Dabei haben sie festgestellt, dass Tiere wie Pferde, Delfine oder Affen, die in stabilen sozialen Verbänden leben, einen enormen Hirnwachstum verzeichnen konnten. Pferde müssen sich in der Gruppe koordinieren und dabei kooperieren. Dazu müssen sie geistig rege sein und über ausreichend Kapazitäten verfügen. Für dich sollte das bedeuten, ein Pferd niemals allein zu halten. Pferde brauchen die Herde nicht nur zum Schutz, sondern auch für die eigene Entwicklung. Natürlich gibt es auch bei Pferden Deppen, die einen kleinen Stupser mehr brauchen, und Intelligenzbestien. Da unterscheiden sich unsere vierbeinigen Freunde nicht von uns.

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