Pferde bandagieren: aber bitte richtig!

Bandage oder Gamasche: diese Frage stellen sich viele Reiter. Leider wissen die meisten nicht, welchen Vorteile die eine oder andere Sache hat. Ganz zu schweigen von der Gefährlichkeit, die Bandagen und Gamaschen mit sich bringen können. Sowohl Bandagen als auch Gamaschen sollen die empfindlichen Pferdebeine vor Schlagschäden schützen. Bei falscher Anwendung können sie aber massive Sehnenschäden und auch Drucknekrosen erzeugen. Eine übertriebene Fürsorge schadet eurem Pferd mehr als es hilft.

Keiner fühlt sich wohl, wenn´s drückt

Zu eng, mit Falten, zu warm – das sind nur einige der Faktoren, die bei falsch angelegten Gamaschen und Bandagen vorkommen können. Im Prinzip sind die schützenden Artikel durchaus gut gemeint. Allerdings schaden sie in den meisten Fällen mehr, als sie helfen. Die Sorge der Reiter um ihr Pferd nimmt teilweise verrückte Ausmaße an. Da werden nicht nur junge Pferde beim Reiten bandagiert und mit Gamaschen bestückt, sondern auch ältere Pferde gehen mit Bandagen auf die Koppel. Die Folgen können fatal sein.

Gamaschen und Bandagen nur zum Reiten verwenden

Gamaschen und Bandagen sind als Schutz der Pferdebeine eine gute Lösung. Allerdings braucht sie nicht jedes Pferd. Bei jungen Pferden, die angeritten werden und noch keine Balance haben, oder beim Springen und im Busch sind die Beinschützer durchaus nützlich. In allen anderen Fällen eher nicht. Falsch gewickelte Bandagen oder zu eng geschlossene Gamaschen drücken die Blutgefäße ab. Sind die Beinschützer zu lange am Pferdebein, entwickelt sich darunter eine große Hitze, die dem Pferdebein ebenso schadet.

Der Osteopath Jochen Lill hat nachgemessen. Haben Pferdebeine normal eine Temperatur von etwa 24° Celsius, so stieg die Temperatur unter Gamaschen schnell auf 36° Celsius an. Bei diesen Temperaturen drohen Funktionsstörungen der Sehnen. Deshalb sollten nach dem Reiten Bandagen und Gamaschen sofort ab gemacht werden. Das gilt auch auf Turnier, wo Pferde aus Faulheit oft samt Beinschutz auf den Hänger gestellten werden und dort bis zum Stechen oder der Siegerehrung warten müssen.

Der Beinschutz behindert das lymphatische System

Bandagen und Gamaschen behindern das Lymphsystem. Wollbandagen sollten gar nicht zum Einsatz kommen, wenn nicht medizinische Maßnahmen das erfordern. Stehen Pferde längere Zeit mit Bandagen, kann das Lymphsystem seiner Arbeit nicht mehr nachgehen. Die Pferdebeine werden auf lange Sicht geschädigt. Das lymphatische System ist ein Entsorgungssystem und Bestandteil des Immunsystems. Es transportiert Flüssigkeiten im Körper und steht in enger Beziehung zum Blutkreislauf. Wird das Lymphsystem angestaut, kann es nicht mehr funktionieren.

Oft ist es auch eine falsche oder nicht korrekte Wicklung, die für Schädigungen am Pferdebein sorgt. Bleiben die Gamaschen über Nacht dran, werden Bandagen zu lange am Pferdebein gelassen oder werden diese nicht exakt gewickelt, kommt es zu Drucknekrosen. Durch den permanenten Druck auf das Bein des Pferdes wird die Sauerstoffzufuhr beeinträchtigt. Das Gewebe stirbt ab. Ganze Sehnenschäden sind möglich.

Gamaschen und Bandagen stützen nicht

Dabei hält sich das Gerücht von der stützenden Funktion hartnäckig. Doch wo Gamaschen oder Bandagen stützen sollen, ist unklar. Gamaschen sind nur ein Schutz gegen Schlag- oder Stoßverletzungen, können also keine stützende Funktion ausüben. Eine stützende Funktion kann es nicht geben, da beim Springen die Kraft von oben wirkt. Die Bandagen sind aber zirkulär um das Bein gewickelt.

 

 

Wenn schon bandagieren, dann aber richtig

Bandagen und Gamaschen sind beim Springen ein guter Schutz. Auch die Beine junger Pferde, die nicht ausbalanciert sind, können mit Bandagen oder Gamaschen geschützt werden. Wichtig ist, dass der Beinschutz richtig angelegt wird. Ein „zu eng“ kann ebenso fatal sein wie ein „zu locker“. Gerade beim Bandagieren kann etwas Übung notwendig sein. Wer erst auf dem Turnier mit üben anfängt, hat oft keine Zeit und fängt an zu schludern.

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